Pressemitteilung
Flensburg/Kiel, 14.09.2026
Die Deutsche Bahn will ihr Konzept für die Generalsanierung der wichtigsten Schienenkorridore erneut überarbeiten. Statt bislang bis zu vier sollen künftig in der Regel nur noch zwei, in Ausnahmefällen drei Strecken pro Jahr grundlegend saniert werden. Für die Strecke Flensburg–Hamburg, die im bisherigen Zeitplan bereits als letzter Korridor erst für 2036 vorgesehen war, droht damit eine weitere Verschiebung bis in die 2040er Jahre.
Dazu sagt Nelly Waldeck, verkehrspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:
„Dass die Bahn ihre Bauplanung realistisch aufstellt und dabei auch Umleiterstrecken und die Stabilität des übrigen Netzes stärker berücksichtigt, ist grundsätzlich richtig. Es darf aber nicht wieder darauf hinauslaufen, dass der Norden einfach immer weiter nach hinten geschoben wird.
Gerade bei der Strecke Flensburg–Hamburg warnen wir seit Jahren vor einer Vernachlässigung. Mit der Fehmarnbeltquerung verändert sich der internationale Schienenverkehr Richtung Dänemark grundlegend. Für uns war deshalb immer klar: Die neue Verbindung über den Fehmarnbelt darf die Jütlandroute nicht schwächen. Wir brauchen auch künftig eine leistungsfähige Schienenachse über Flensburg und weiter nach Dänemark.
Nicht ohne Grund ist Flensburg–Hamburg ausdrücklich als zu sanierender Hochleistungskorridor im Bundesschienenwegeausbaugesetz verankert. Wir erwarten deshalb von Bund und Bahn, dass die Strecke bei der jetzt angekündigten Neupriorisierung nicht weiter nach hinten rutscht. Es braucht einen verbindlichen Zeitplan und eine gesicherte Finanzierung.“
Leon Mansdotter Bossen, Co-Fraktionsvorsitzender der Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (mit Volt) in Flensburg, ergänzt:
„Als die Sanierung im vergangenen Jahr auf 2035 und schließlich 2036 verschoben wurde, haben wir bereits deutlich gesagt: Das ist für Flensburg viel zu spät. Jetzt müssen wir darüber reden, ob daraus womöglich die 2040er Jahre werden. Das ist nicht mehr vermittelbar.
Flensburg darf nicht zum Restposten der deutschen Schieneninfrastruktur werden. Die Strecke ist schon heute störanfällig, langsam und für ihre Bedeutung als Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark nicht leistungsfähig genug. Gleichzeitig investieren wir in Flensburg und im Land in neue Bahnhalte, bessere Takte und eine stärkere Schienenanbindung. Das alles funktioniert aber nur, wenn auch das Rückgrat Richtung Hamburg funktioniert.
Der Bund hat die Generalsanierung dieser Strecke gesetzlich zugesagt. Daraus darf kein Versprechen werden, das auf dem Papier steht und irgendwann Jahrzehnte später eingelöst wird. Unser Anspruch muss sein: Sobald die Hinterlandanbindung der Fehmarnbeltquerung fertiggestellt ist, muss Flensburg–Hamburg zeitnah folgen – und nicht erst, wenn anderswo in Deutschland längst alle anderen Korridore saniert sind.“
Waldeck und Mansdotter Bossen fordern deshalb, dass Bund und Deutsche Bahn bei der Überarbeitung des Sanierungsprogramms die Strecke Flensburg–Hamburg neu priorisieren. Die Planungen für die Generalsanierung müssten unabhängig davon bereits jetzt konsequent vorangetrieben werden. Dabei müsse es neben der Erneuerung bestehender Infrastruktur auch um mehr Leistungsfähigkeit, höhere Zuverlässigkeit und Fahrtzeitverkürzungen auf der Jütlandroute gehen.
„2036 war schon spät genug. Eine Verschiebung in die 2040er Jahre darf es nicht geben. Schleswig-Holstein braucht beim Neuaufstellen des Zeitplans eine klare und verbindliche Zusage für Flensburg–Hamburg“, so Waldeck und Mansdotter Bossen abschließend.