Grüne: NS-Vermittlungszentrum braucht eine verlässliche Perspektive

Pressemitteilung

Flensburg, 25.10.2026

Zum neuen offenen Brief der Initiative „Pro Norderhofenden 1“ erklärt die Ratsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (mit Volt):

Dass sich so viele Menschen für einen würdigen Umgang mit Flensburgs NS-Geschichte einsetzen, ist ein wichtiges und ermutigendes Zeichen. Die historische Bedeutung des Polizeigebäudes Norderhofenden 1 steht dabei außer Frage. Selbstverständlich wäre ein authentischer Schauplatz aus historischer Perspektive ein besonders geeigneter Standort für das geplante Vermittlungszentrum.

erklärt Katja Claussen, Vorsitzende der Grünen Ratsfraktion.

Die Entscheidung für den Bibliotheksflügel des Deutschen Hauses sei jedoch nicht gegen den historischen Standort, sondern auf Grundlage der tatsächlichen Umsetzungsmöglichkeiten getroffen worden.

Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, dass Flensburg endlich ein solches Vermittlungszentrum bekommt. Dabei mussten wir uns nicht nur mit der historischen Bedeutung möglicher Standorte beschäftigen, sondern auch mit Eigentumsverhältnissen, Sanierungskosten, Zeitplänen und der langfristigen Finanzierung. Das gehört zur kommunalpolitischen Verantwortung genauso dazu wie die inhaltliche Überzeugung.

erläutert Clemens Schmidt, kulturpolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion.

Die Grünen begrüßen, dass die Debatte inzwischen auch überregional Aufmerksamkeit erhält. Gerade darin sehen sie eine Chance, die bislang ungelösten Fragen gemeinsam anzugehen.

Ein offener Brief kann politische Türen öffnen. Wir würden uns freuen, wenn aus der prominenten Unterstützung nun auch konkrete Möglichkeiten entstehen, die bisher nicht bestanden. Denn die entscheidende Frage ist nicht nur, welcher Standort auf dem Papier der überzeugendere ist, sondern auch, unter welchen Bedingungen er tatsächlich realisiert werden kann.

betont Claussen.

Der geplante Auszug der Polizei eröffne eine neue Perspektive. Allerdings gehöre das Gebäude dem Land Schleswig-Holstein. Ohne eine verbindliche Aussage zur künftigen Verfügbarkeit, eine belastbare Kostenplanung und eine gesicherte Finanzierung könne die Stadt einen Standortwechsel nicht verantwortungsvoll beschließen.

Wenn das Land bereit ist, das Gebäude zur Verfügung zu stellen und gemeinsam mit dem Bund eine tragfähige Finanzierung sicherzustellen, entsteht eine neue Entscheidungsgrundlage. Darüber würden wir selbstverständlich ernsthaft sprechen. Bis dahin wäre es jedoch falsch, die bereits auf den Weg gebrachte Planung infrage zu stellen, ohne eine umsetzbare Alternative zu haben.

so Schmidt.

Für die Grünen steht deshalb nicht die Verteidigung eines bestimmten Gebäudes im Vordergrund, sondern die erfolgreiche Verwirklichung des Vermittlungszentrums.

Wir sollten aus der historischen Verantwortung für Flensburg keine politische Standortkonkurrenz machen. Uns alle verbindet doch dasselbe Ziel: einen Ort zu schaffen, an dem die Verbrechen des Nationalsozialismus, ihre Opfer und die besondere Rolle Flensburgs dauerhaft sichtbar werden. Jetzt kommt es darauf an, aus guten Absichten auch konkrete Möglichkeiten zu machen.

erklärt Claussen abschließend.